Kai Whittaker | Merkel 4.0 – Die beste Version von allen
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Merkel 4.0 – Die beste Version von allen

Lange wurde spekuliert, ob Angela Merkel noch einmal als Kanzlerkandidatin antritt. Zusammen mit vielen Kollegen war ich mir sicher, dass sie es tut. Dennoch war das Timing diesmal wichtig. Hätte sie es früher gesagt, wäre ihre Entscheidung auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise wohl als selbstherrlich interpretiert worden. Böse Zungen behaupten, sie musste es machen, weil die Union niemand anderen hat. Sicherlich fällt es schwer, sich einen ähnlich starken Führungspolitiker in der Union als Nachfolger vorzustellen. Dennoch hat sich für die Position des Kanzlers bisher immer jemand gefunden – selten waren es führungsschwache Charaktere. Ich hingegen bin überzeugt davon, dass ihre Entscheidung, erneut zu kandidieren, richtig ist.

1. Merkel kann Krise

Kaum eine Kanzlerin wurde so sehr heimgesucht von Fehlern der Vergangenheit wie Angela Merkel. Das fing an mit der Finanzkrise 2008, als Banken durch Gesetzeserleichterungen ihrer Vorgänger unlautere Geschäfte machten und vom Staat gerettet werden mussten. Merkel hat durch schärfere Vorgaben für die Banken neue Regeln eingebaut. Es zog sich weiter über die Eurokrise, die auftrat, weil der Stabilitätsvertrag von Maastricht nichts mehr wert war. Regeln konnten gebrochen werden. Auch hier hat Merkel mit neuen Verträgen und harten Reformprogrammen für die angeschlagenen Euroländer versucht, die Fehler zu heilen. Und nun die Flüchtlingskrise. Ein Europa, das freie Binnengrenzen will, aber seine Außengrenzen nicht schützen kann. Das hat es für Schlepper leicht gemacht, Flüchtlinge nach Europa zu bringen. Auch das versucht Merkel nun abzustellen. Die nächsten Krisen stehen ins Haus: Mit Brexit, Trump und Co. stellt sich die Frage, ob Europa es schafft, seine Werte zu verteidigen – ein Leuchtturm für Freiheit, Frieden und Aufstiegschancen zu sein. Europa wird bedroht – aus Russland, aus dem Nahen Osten, aus Afrika. Es vor diesen Bedrohungen zu schützen, das kann Merkels nächste große Aufgabe sein.

2. Merkel polarisiert endlich

Jahrelang musste sich die Union anhören, einen demobilisierenden Wahlkampf zu führen und die Menschen einzulullen. Friede, Freude, Eierkuchen – das soll der Merkelsche Stil sein. Jetzt, da die Flüchtlingskrise das Land politisch aufgewühlt hat, reibt sich wieder jeder an der Politik der Bundeskanzlerin – sei es dafür oder dagegen. Endlich, wie ich finde. Ja, Angela Merkel ist sicherlich einigen Menschen zutiefst verhasst. Dafür hat sie aber auch glühende Anhänger gefunden, die vorher vielleicht ihr eher misstrauisch gegenüberstanden. Es wird nun die Aufgabe dieses Wahlkampfes sein, all ihre Unterstützer zu CDU-Wählern zu machen. Keine einfache, aber eine lösbare Aufgabe. Jede große politische Figur in westlichen Demokratien hat am Ende Unterstützer wie Gegner. Merkels Werte zeigen, dass die Unterstützer in der Mehrheit sind. Gute Voraussetzungen also für einen Wahlkampf.

3. Merkel hat Ideen

Sie wurde verspottet, als sie das Internet 2013 als Neuland bezeichnet hat. Mittlerweile fängt das Land an zu verstehen, was damit eigentlich gemeint ist. Natürlich war nicht gemeint, dass sie erst jetzt entdeckt hat, dass es da ein Internet gibt. Sondern was die dahinterstehende Digitalisierung für die Politik für neue Herausforderungen birgt. Das fängt bei Social Bots an, die Fake-Meinungen produzieren und hört bei Hass-Kommentaren normaler User noch längst nicht auf. Die Digitalisierung scheint viele Berufe zu bedrohen. Aber sie bietet auch ungeahnte Chancen, Krankheiten früher zu entdecken, ökologischere Mobilität anzubieten, neue Geschäftsfelder zu erschließen. Der Staat kann seine Leistungen gegenüber den Bürgern schneller und günstiger abwickeln. Sie hat das begriffen und redet daher konsequenterweise auch von den Chancen. Nicht von den Risiken. Ihr Ziel ist klar: Die Chancen ergreifen, den Wohlstand dadurch mehren und die Menschen, die sich bedroht fühlen von dieser Entwicklung, dadurch sozial abzusichern.

Merkel 4.0? Ich bin davon überzeugt, dass dies die beste Version von Angela Merkel sein wird, die wir bisher gesehen haben.