Kai Whittaker | Mit Pauken und Trumpeten
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Mit Pauken und Trumpeten

Heute wird Donald Trump als Präsident der USA vereidigt. Voller Fragen blicken alle gebannt darauf, wie der neue Präsident sein Amt ausfüllen wird. Das alles halte ich für müßige Spekulation. Die Zeit wird es zeigen. Vielmehr sollten wir uns Gedanken machen, welche Hausaufgaben wir Deutsche erledigen müssen, um gegenüber Präsident Trump zu bestehen.

Trump ist durch und durch Geschäftsmann. Deals sind für ihn entscheidend. Er teilt die Welt in Dinge ein, die funktionieren und verbessert werden sollten, die kaputt sind aber repariert werden müssen und die nicht mehr funktionieren und entsorgt werden sollten. Trump bewertet vielleicht Dinge anders als wir Deutsche oder wir Europäer. Wichtig aber ist, dass wir ebenfalls eine klare Einschätzung unserer Interessen brauchen. Was ist uns wirklich wichtig, was nicht?

Dass Russland mit Gewalt Grenzen verschiebt, liegt nicht in unserem Interesse. Dass in Syrien Krieg herrscht ebenso wenig. Dass es einen Atomvertrag mit dem Iran gibt dagegen schon. Der Freihandel ist für eine Exportnation wie Deutschland – wo jeder zweite Arbeitsplatz direkt davon abhängt – überlebenswichtig. Wir müssen also unsere Interessen und Prioritäten kennen.

Wenn man verhandelt, dann kommt es bei einem Ergebnis darauf an, aus welcher Position heraus man verhandelt. Wer Konzertkarten schon mal kurz vor Konzertbeginn verkauft hat, weiß, dass der Preis davon abhängt, ob das Konzert schon vor Wochen ausverkauft war oder neben einem noch zehn andere ihre Tickets loswerden wollen. Dieses sehr einfache Prinzip schätzt Trump. Es nimmt keine Rücksicht auf gemeinsame Werte, auf Traditionen, auf geschichtliche Verläufe, so wie wir es in Europa gewohnt sind.

In diesem Punkt, der Verhandlungsstärke, hat Europa ein Problem. Wir reden oft mit mehreren Zungen. Wir halten uns nicht immer an Vereinbarungen. Wir sind es nicht gewohnt, zu drohen, wo wir es könnten und es notwendig wäre. Wenn Trump einen Strafzoll von 35 Prozent einführen will, sollten wir darauf hinweisen, dass wir dann die Gewinne der amerikanischen Konzerne in Europa voll besteuern. Wenn Trump diese Schwächen merkt, hat er leichtes Spiel. Er wird dann strategisch genau das gleiche versuchen wie Putin oder Erdogan: nämlich die EU zu spalten, um jedes einzelne Land leichter unter Druck zu setzen.

Deshalb müssen wir die EU festigen. Der Brexit könnte uns dabei helfen. Denn zum einen haben die Briten viele durchaus sinnvolle Reformschritte verweigert. Diese könnten jetzt angegangen werden. Zum anderen führt uns aber der Brexit auch vor Augen, was in Europa alles nicht so gut läuft und wo es dringenden Reformbedarf gäbe.

Zu guter Letzt: Ein Geschäftsmann fürchtet die Konkurrenz. Schließen sich zwei Wettbewerber zusammen, kann das die eigene Position bedrohen. So sehen es ja viele Beobachter als Bedrohung Europas, wenn Russland und die USA miteinander kooperieren. In einer multilateralen Welt müssen wir Europäer uns stärker Gedanken machen, wer unsere Partner sein können. Wenn Trump Mexiko und Lateinamerika verprellt, sollten wir dort stärker aktiv werden. Wenn er Asien unter Druck setzt, sollten wir es umwerben. Wenn die Welt lieber mit Europa Deals macht als mit den USA, wird es nicht lange dauern, bis Trump die Europäer umgarnt.

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