Kai Whittaker | Alten- und Krankenpflege: Was muss besser werden?
19442
post-template-default,single,single-post,postid-19442,single-format-standard,cookies-not-set,qode-music-1.0.1,qode-news-1.0.2,qode-quick-links-1.0,qode-tours-1.0,ajax_fade,page_not_loaded,, vertical_menu_transparency vertical_menu_transparency_on,qode-title-hidden,qode_grid_1300,footer_responsive_adv,qode-child-theme-ver-1.0.0,qode-theme-ver-16.6,qode-theme-bridge,wpb-js-composer js-comp-ver-5.5.1,vc_responsive

Alten- und Krankenpflege: Was muss besser werden?

Der vergangene Mittwoch stand ganz im Zeichen der Pflege. Auf Einladung von Stefan Lutz-Bachmann, Religionslehrer, Diakon der katholischen Kirche und Vorsitzender des Caritasrates des Caritasverbandes Baden-Baden e.V. besuchte ich die Altenpflegeschule Sancta Maria in Bühl.

Zu Beginn durfte ich Schulleiter Manuel Benz und Teil seines Lehrerkollegiums kennenlernen. In der Altenpflegeschule „Sancta Maria“ lehren bis zu 14 Dozenten– darunter eine festangestellte  Ärztin, sowie einen Apotheker, Rechtsanwälte, Deutschlehrer, Religionspädagogen, Neurologen und Experten aus der Physio/- Ergotherapie und Logopädie. Aktuell werden 76 Schüler in 3 Jahrgängen unterrichtet. Sie verbringen 2-3 Tage in der Schule und sind die restlichen Tage in ihren jeweiligen Ausbildungsbetrieben. Die Altersspanne reicht von 17 bis Mitte 50.

Ich durfte mit dem 12-köpfigen Oberkurs – darunter 11 Frauen und 1 Mann – zwei Stunden lang über die Herausforderungen von Auszubildenden und Altenpflegern diskutieren. Dabei erfuhr ich aus erster Hand von den sehr belastenden Arbeitszuständen. Von permanenter Überbelastung bis hin zu Burn-Out: Das sind leider keine Fremdworte für Altenpfleger.

Auf meine Frage an welchen Stellschrauben die Politik drehen sollte, um die Situation zu verbessern, forderten die Schüler in erster Linie einen besseren Personalschlüssel. Ein Pfleger auf sechs Patienten wäre optimal. In der Realität müssten Pfleger aufgrund krankheitsbedingter Ausfälle von Kollegen oder unterbesetzten Stationen bis zu 10 Patienten betreuen.

Betont wurde auch: Auszubildende sollten nicht „verheizt“ werden, sondern sorgfältig an den Job herangeführt werden, damit genügend Zeit für Erklärungen und Lernphasen bleibt. Bei den Kontrollen der Pflegeheime müsste auch die Arbeitssituation der Pfleger besser miteinbezogen werden.

Gute Erfahrungen haben die angehenden Altenpflegerinnen mit ausländischen Pflegekräften. Es sei kein Problem, wenn in Zukunft mehr Ausländer in unseren Pflegeheimen arbeiteten oder in Deutschland ausgebildet werden. Nur müsse darauf geachtet werden, dass ein ausreichendes Deutschniveau vorlege – mindestens Sprachniveau B2.

In der letzten Legislaturperiode haben wir mit den Pflegestärkungsgesetzen vor allem die Situation der Pflegenden verbessert. Ich finde: Es ist richtig und wichtig, sich jetzt auch intensiver den Problemen und Nöten der Altenpfleger anzunehmen. Wir alle wissen: Sie leisten Enormes für unsere Gesellschaft und verdienen unsere Anerkennung.

Mit dem Sofortprogramm Kranken- und Altenpflegehat mein Bundestagskollege und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wichtige Maßnahmen für zusätzliche Stellen und bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege geschaffen.

Viel erhoffe ich mir auch von der Konzertierten Aktion Pflege. Mit einem gemeinsamen Kraftakt wollen sich das Bundesgesundheitsministerium, das Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und das Bundesministerium für Arbeit und Soziales für mehr Wertschätzung, bessere Arbeitsbedingungen und gerechte Bezahlung einsetzen.

Diese Aktion darf zu keinem Kaffeekränzchen werden. Ich erwarte, dass die neu eingesetzten Arbeitsgruppen, in denen die Pflege auch selbst vertreten ist, spürbare Verbesserungen vorschlagen: von Personalmanagement und Arbeitsschutz über den Zuzug von ausländischen Pflegekräfte bis hin zur Entlohnung. Klar ist aber auch: Das wird Geld kosten. Wir werden in den kommenden Jahren deshalb noch intensiver diskutieren müssen, was uns gute Pflege wirklich wert ist.

Am Nachmittag durfte ich beim Gartenfest der Baden-Badener Demenzkampagnein der schönen Caritas-Tagesstätte in Steinbach ein Grußwort halten. Als moderne Gesellschaft dürfen wir Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen nicht im Stich lassen. Wer Alzheimer hat, braucht sich nicht zu schämen. Wer ausgrenzt, wer im Alltag keine Hilfe anbietet, wer stigmatisiert: Der hat sich zu schämen! Ich freue mich, dass es in meiner Heimatstadt die Demenzkampagne gibt, um diesen gesellschaftlichen Wandel voranzutreiben. Bei Kaffee und Kuchen und bestem Sommerwetter konnte ich mit Pflegern und Angehörigen noch gute Gespräche führen. Es war ein guter Pflegetag, bei dem ich viel gelernt und mir neue Anregungen für meine politische Arbeit in Berlin mitgenommen habe!



X