Kai Whittaker MdB | Digitalisierung der Pflege
Kai Whittaker (*10.04.1985 in Baden-Baden) ist Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Rastatt. Seit seiner ersten Legislaturperiode ist er ordentliches Mitglied im Ausschuss Arbeit und Soziales. Die Themen, die den Ausschuss A&S beschäftigen, sind ganz nah am Leben der Menschen: Arbeitsmarkt und Arbeitslosigkeit, soziale Sicherungssysteme und Rente, Inklusion und Teilhabe.
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Digitalisierung der Pflege

In kaum einem Bereich unserer Gesellschaft wird noch so viel gefaxt wie im Gesundheitssystem. Und der öffentliche Gesundheitsdienst hatte während der Corona-Pandemie darunter zu leiden, mit einer pseudo-digitalen Excel-Sheet-Wirtschaft arbeiten zu müssen als mit vollautomatisierten digitalen Anwendungen.

 

Hat die Digitalisierung im Gesundheitssystem und insbesondere in der Pflege überhaupt eine Chance? Ich sage: Ja! In einem Impulsvortrag bei der 2. Kommunalen Pflegekonferenz in Baden-Baden skizzierte ich fünf \“digitale Pisten\“, welche die CDU-geführte Bundesregierung in der letzten Legislaturperiode vorangetrieben hat. Im Schatten der Pandemie sind diese digitalen Pisten aus der öffentlichen Debatte etwas verloren gegangen. Ich hoffe aber, dass sie reiche Früchte tragen, so denn sie in den nächsten Jahren richtig und vernünftig umgesetzt werden.

(v.l.n.r.: Kai Whittaker MdB, Regina Görner (Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen), Bürgermeister Roland Kaiser)

1. Piste: Elektronische Patientenakte

Eine elektronische Patientenakte (ePa) ist der Rückgrat der Digitalisierung des Gesundheitswesens. Welche Medikamente nimmt eine Patientin oder ein Patient ein, welche Vorerkrankungen liegen vor, wie sind die Blutwerte, welche Untersuchungen wurden im Vorfeld durchgeführt und wie verliefen frühere Behandlungen? Gerade bei älteren Patienten, gerade bei Krankenhauseinweisungen, ist es für behandelnde Ärzte wichtig, diese Informationen auf einen Blick zu haben. Dazu braucht es eine elektronische Patientenakte. Unser strenger Datenschutz und technische Herausforderungen haben die Einführung nicht leicht gemacht. Während andere Länder hier große Sprünge vorwärts machen, verlieren wir uns in Deutschland leider zu oft in Klein-Klein-Diskussionen und und Bedenkenträgerei.

2. Piste: E-Rezept

Wenn wir früher Geld überweisen wollten, mussten wir zu Bank gehen. Jetzt machen wir so was bequem mit Laptop oder Handy. Im Bereich von Rezepten und Apotheken liegen wir Jahre zurück. Praxis stellt Rezept aus. Patient holt Rezept ab und geht zur Apotheke. Apotheke gibt Medikament aus und verarbeitet Rezept. Mit dem 2020 in Kraft getretenen Patientendaten-Schutz-Gesetz ist die Einführung des E-Rezepts bei der Verordnung von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln geregelt worden. Aktuell befinden wir uns noch in einer bundesweiten Testphase. In der Theorie klingt\’s gut, in der Praxis hapert’s noch. Klar ist: Der Effizienzgewinn und der Alltagsnutzen muss am Ende des Tages für alle spürbar sein, von der Ärzteschaft über die Apotheker bis hin zu den Patienten. Das gilt für die elektronische Patientenakte genauso wie für das E-Rezept.

3. Piste: Digitale Anwendungen

Gute Pflege braucht menschliche Zuwendung. Sinnvolle Apps und digitale Anwendungen können Pflegebedürftigen aber helfen, ihren Alltag besser zu bewältigen. Deshalb hat die Union mit dem Gesetz zur digitalen Modernisierung von Versorgung und Pflege (DVPMG) im Mai 2021 digitale Helfer auch für die Pflege nutzbar gemacht. Digitale Pflegeanwendungen auf mobilen Endgeräten oder als browserbasierte Webanwendung können von Pflegebedürftigen genutzt werden, um den eigenen Gesundheitszustand durch Übungen zu stabilisieren oder zu verbessern. Auch wurde die Versorgung mit digitalen Gesundheitsanwendungen weiterentwickelt und die Telemedizin ausgebaut. Die Videosprechstunde war früher verboten. Jetzt ist sie erlaubt und es gibt einen rechtssicheren Rahmen inkl. Vergütung

4. Piste: Robotik

Robotik in der Pflege ist noch mehr Vision als Wirklichkeit. Bei einer Dienstreise in Japan vor einigen Jahren habe ich Pflegekräfte mit einem Exo-Skelett gesehen. Mit diesem konnten sie schwerste Kisten ganz einfach hin- und hertragen. Ganz wichtig: Hier geht es nicht um Pflegeersatz, sondern um Pflegeassistenz. Es pflegen nicht künstliche Roboter, sondern Menschen mit Herz und Blut. Roboter dienen als Werkzeug, damit die Pflegekräfte wieder mehr Zeit an und mit den Menschen verbringen können. Und sie können in Zukunft hoffentlich pflegebedürftigen Menschen erlauben, noch länger selbständig zu Hause zu leben, als das bisher der Fall ist. Die Fortschritte in der Robotik sind enorm und schreiten voran. Statt massive Industrieroboter braucht es mehr Tastsinn und Feinfühligkeit, um z.B. dabei zu helfen, bettlägrige Menschen von einer Seite auf die andere Seite zu drehen.

5. Piste: Digitales Vormerksystem

Wenn ein Angehöriger von jetzt auf nachher einen Pflegeplatz benötigt, bekommt man eine lange Liste von Pflegeheimen in die Hand gedrückt. Die man dann mühsam abtelefonieren muss. So die Kritik, die mir zugetragen wird. Die Lösung: Ein digitales Vormerksystem, das tagesaktuell zeigt in welchem Heim wie viele Plätze zur Verfügung stehen. In dem sich Angehörige per Klick anmelden können, statt Dutzende Pflegeheime abzutelefonieren. Das wäre eine echte Entlastung und ein echter Fortschritt für Angehörige, aber auch für Rezeptionen in den Pflegeheimen. Ich war begeistert, dass bei der Pflegekonferenz nach meinem Vortrag eine Arbeitsgruppe just über dieses Thema sprach. In Baden-Baden befindet sich dieses System bereits in einer frühen Testphase. Ich würde es sehr begrüßen, wenn meine Heimatstadt hier neue Maßstäbe setzt und wünsche viel Erfolg bei den nächsten Schritten!

Es gibt viel Potential, viele Chancen in der Digitalisierung für die Pflege. In den letzten Jahren wurden dafür rechtliche politische Grundlagen gelegt, die jetzt reifen müssen. Dafür müssen alle Beteiligte einen echten Mehrwert und Nutzen spüren. Wir benutzen im Alltag auch nicht das Internet, weil Politiker dieses angepriesen haben, sondern weil es uns das Leben in vielem erleichtert hat. So sollte es auch in der Pflege sein.

 

Siehst du weitere Chancen der Digitalisierung in der Pflege oder im Gesundheitssystem? Dann schreibe mir!