Kai Whittaker | Fracking und Umweltschutz: ein Entweder-oder?
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Fracking und Umweltschutz: ein Entweder-oder?

Das Thema Fracking wird in Deutschland hitzig diskutiert. Fracking bezeichnet die Erdgasförderung aus Gesteinsschichten. Vereinfacht ausgedrückt: Es wird ein chemisches Gemisch in die Gesteinsschichten gepumpt, um das Gestein aufzusprengen. Durch diese Gesteinsrisse verflüssigt sich das Gas bzw. Erdöl in den Gesteinsschichten und kann abgepumpt werden. Seit den 1960er Jahren wird in Deutschland das „konventionelle Fracking“ angewandt. Konventionelles Fracking bedeutet, dass Sandgestein angebohrt wird. „Unkonventionelles Fracking“ betrifft nun Schiefergestein und Kohleflöze. Diese Methode kam in Deutschland bisher nicht zum Einsatz.

Die politische Diskussion dreht sich nun also darum, ob eine bereits bekannte und genutzte Art der Erdgasförderung auf andere Gesteinsschichten angewandt werden sollte. Dazu gibt es zwei Gesetzesinitiativen, die die Bundesregierung auf den Weg bringen möchte. Das eine Gesetz regelt die Umweltrechtstandards für alle Fracking-Arten. Das andere Gesetz regelt die Umstände, unter denen unkonventionelles Fracking für wissenschaftliche, nicht kommerzielle Zwecke möglich sein soll.

Folgende Punkte sollen für alle Fracking-Förderungen gelten:

  • Fracking jeglicher Art soll in sensiblen Gebieten wie Wasserschutz- und Heilquellenschutzgebieten sowie an Seen und Talsperren zur Trinkwassergewinnung vollständig verboten sein. Die Länder sollen darüber hinaus an weiteren sensiblen Trinkwasserentnahmestellen Verbote erlassen können. In Nationalparks und Naturschutzgebieten wird die Errichtung von Anlagen zum Einsatz der Fracking-Technologie untersagt.
  • Für jede Form von Fracking wird künftig eine umfassende Umweltverträglichkeitsprüfung verpflichtend eingeführt. Die zuständigen Bergbehörden müssen bei einer möglichen Zulassung stets das Einvernehmen mit den Wasserbehörden herstellen. Damit haben die Wasserbehörden künftig faktisch ein Vetorecht.
  • Die eingesetzten Fracking-Gemische dürfen laut Gesetzesentwurf im Bereich des konventionellen Fracking „nicht wassergefährdend“ oder allenfalls „schwach wassergefährdend“ sein. Die eingesetzten Stoffe müssen zudem umfassend offengelegt werden. Im gesamten Prozess sind weitere strenge und umfassende Sicherheitsauflagen zu erfüllen.
  • Beim Umgang mit Rückfluss und Lagerstättenwasser wird vollumfänglich der Stand der Technik vorgeschrieben. Auch hier ist eine Umweltverträglichkeitsprüfung verbindlich durchzuführen.
  • Zudem wird das Bergschadensrecht verschärft. So wird beispielsweise die Beweislast für mögliche Bergschäden den Unternehmen auferlegt.

Folgende Punkte sollen für die wissenschaftliche unkonventionelle Fracking-Methode zusätzlich gelten:

  • Eine unabhängige Expertenkommission aus sechs Mitgliedern (davon drei Umweltinstitute) muss den beantragten Einsatz der Fracking-Technologie in der jeweiligen geologischen Formation mehrheitlich als grundsätzlich unbedenklich einstufen,
  • die Kommission zur Bewertung wassergefährdender Stoffe beim Umweltbundesamt muss die verwendeten Fracking-Gemische als nicht wassergefährdend einstufen, und
  • alle sonstigen umfassenden öffentlich-rechtlichen Zulassungsvoraussetzungen (d.h. insbesondere zum Wasser-, Boden- und Umweltschutz) müssen vorliegen.

Ich bin nicht grundsätzlich gegen die Fracking-Methode. Es gibt aber einige Punkte, die in der Diskussion zu wenig Beachtung finden und die wichtig sind bei der Bewertung der Fracking-Methode.

  1. Fracking ist keine neue Methode, sondern ist nach geltendem Recht seit 50 Jahren in Deutschland zugelassen. Damit geht eine strenge Aufsicht der Grundwasserqualität einher. Bisherige Befunde für beide Fracking-Methoden kommen zu dem Ergebnis, dass das Schmutzwasser genauso gefährlich eingestuft wird wie das Abwasser von Straßen. Damit hält sich die Gefährlichkeit in Grenzen. Vor dem Hintergrund, dass es in den letzten Jahrzehnten keine massive Gefährdung der Bevölkerung gab, erscheint mir die Angst vor Fracking nicht berechtigt.
  2. Der Gaspreis ist in Deutschland doppelt so hoch wie in den USA. Der Strompreis ist dreimal so hoch. Gas gilt bei den Brennstoffen nach der CO2-Bilanz als die „sauberste“ Energie. Da wir die Atomkraft abschalten und die Kohleverstromung zunimmt, wäre es sinnvoll, mehr Energie aus Gas zu gewinnen. Da bereits ein Drittel des in Deutschland geförderten Gases über Fracking abgebaut wird, wäre es durchaus eine Überlegung, diese Methode auszubauen. Zum einen reduzieren wir die CO2-Bilanz pro Kilowattstunde Strom, zum anderen reduzieren wir unsere Abhängigkeit von ausländischem Gas gerade gegenüber Russland.

Für mich heißt deshalb die entscheidende Frage nicht „Fracking oder Umweltschutz“. Entscheidender ist die Frage: „Wie kann man Fracking und Umweltschutz vernünftig miteinander verbinden?“ Fracking leistet einen wichtigen Beitrag für unsere Energiesicherheit und sollte deshalb in einem entsprechenden umweltrechtlichen Rahmen erlaubt sein.



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