Mehr KiloWatt vom Netto!

Böse überrascht wurden in den vergangenen Wochen zahlreiche Kunden von Billigstromanbietern. Sie standen plötzlich ohne Stromanbieter da. Vielfach geschah das ohne Vorwarnung und die Kunden merkten auch erstmal nichts. Denn die Grundversorger springen ein, dazu sind sie gesetzlich verpflichtet. Diese kaufen die zusätzlich benötigten Strommengen auf dem sogenannten Spotmarkt zu tagesaktuellen Preisen. Und die haben es in sich: Bis zu 60 Cent pro Kilowattstunde wurden jüngst aufgerufen.

Viele Kunden merken aktuell noch wenig von den gestiegenen Preisen.
Spätestens im kommenden Jahr schlagen die Preise aber auch
zu den Kunden mit längerfristigen Verträgen durch.

Verständlich, dass die Kunden da schnell wieder raus wollen. Das stellt die solide wirtschaftenden Anbieter wie unsere Stadtwerke aber vor Probleme – sie sichern sich Strommengen langfristig auf dem sogenannten Terminmarkt – können so gut kalkulieren und faire Preise aufrufen. Wie beispielsweise die Stadtwerke Gaggenau. Die konnten dank guter Planung ihre Kunden zuletzt sogar über leicht sinkende Kosten informieren. Der Ansturm von Neukunden, die nun händeringend einen Anbieter suchen, ist da verständlicherweise nicht mit eingepreist. Einige Anbieter haben bereits einen Neukundenstopp oder nehmen nur noch Kunden aus dem Ort auf. Auch mit den Stadtwerken Baden-Baden konnte ich sprechen. Hier kaufe man rund zwei Jahre im Voraus ein, berichtet Geschäftsführer Oehler. So merkten Kunden aktuell noch wenig von den gestiegenen Preisen. Spätestens im kommenden Jahr, befürchtet er, schlagen die Preise aber auch zu den Kunden mit längerfristigen Verträgen, also die Breite Masse durch. Kein Verständnis habe er für Anbieter, die die Belieferung vor der Insolvenz bereits einstellten und den Strom möglicherweise einfach selbst teurer weiterverkauft haben. Er sieht hier nun die Politik am Zug – zurecht!

Das Problem greift also an zwei Punkten:
Zum einen müssen wir unsere lokalen verlässlichen Versorger schützen. Es kann nicht sein, dass sie ausbaden müssen, was andere Anbieter vergeigt haben. Gleichzeitig müssen wir alle Anbieter in die Pflicht nehmen, vertragstreu zu bleiben!

Und zum anderen müssen wir als Politik dringend dich, den Verbraucher, entlasten. Bereits 2018 forderten Kollegen und ich im Rahmen des „Green Deal“ die EEG-Umlage und die Stromsteuer zu abzuschaffen. Zwar hat die Ampel angekündigt die EEG-Umlage nächstes Jahr abzuschaffen, aber das hilft aktuell nicht und ist zu wenig. Denn Finanzminister Christian Linder kann sich auf Mehreinnahmen von rund 1,4 Milliarden Euro dieses Jahr freuen. Ich fordere, gemeinsam mit vielen Kolleginnen und Kollegen, dass er diese Mehreinnahmen wieder an die Bürgerinnen und Bürger zurückgibt und so Energie wieder bezahlbar macht.

Auch Mark Helfrich, unser energiepolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion erzählte mir bei einem Insta-live, dass die aktuell hohen Preise durchaus durch die geopolitische Gesamtlage geprägt sind. So führen die Spannungen mit Russland und die überdurchschnittliche Nachfrage gerade zu hohen Energiepreisen. Aber da gerade weitere Kernkraftwerke vom Netz sind, müssten nun Gaskraftwerke deren Grundlast übernehmen. Deshalb schlage der Gaspreis voll auf den Strompreis durch. Die Lage werde sich zwar im Sommer wieder entspannen, wenn insbesondere die Photovoltaikanlagen auf unseren Dächern wieder mehr Strom liefern als im Winter – aber die Grundproblematik bleibt durch die Energiewende erstmal bestehen.