Soll der Down-Syndrom-Bluttest von der Krankenkasse bezahlt werden?
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Soll der Down-Syndrom-Bluttest von der Krankenkasse bezahlt werden?

Sollen Bluttests zur Diagnose von Trisomie 21 für Schwangere in Zukunft von der Krankenkasse bezahlt werden? Darüber diskutierten wir diese Woche zum ersten Mal im Deutschen Bundestag in einer sogenannten Orientierungsdebatte. Noch liegt kein Gesetzesentwurf vor. Aber die Frage birgt Brisanz.

Heute schon sind Tests während der Schwangerschaft zulässig, um zu prüfen, ob das Kind Trisomie 21 – umgangssprachlich „Down-Syndrom“ genannt – hat. Dies findet derzeit über eine Fruchtwasseruntersuchung statt, die insbesondere für das Kind riskant ist. Es kann durch die Untersuchung dauerhafte Schäden davontragen oder sogar sterben. Dieser Test wird von den Krankenkassen bereits bezahlt.

Nun ist es mittlerweile technisch möglich, diesen Test auf Trisomie 21 auch über eine Blutanalyse zu machen. Das ist ein deutlich einfacherer und sicherer Weg für Mutter und Kind. Dieser Test wird aber derzeit nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.

Was ist Trisomie?

Dadurch ergibt sich ein Gerechtigkeitsdilemma. Denn jede gesetzlich versicherte schwangere Frau bekommt nur den gefährlicheren Fruchtwassertest zugestanden, wenn sie es verlangt. Legt sie hingegen privates Geld zusätzlich auf den Tisch, kann sie das Risiko deutlich minimieren. Gibt es also Sicherheit nur für reichere Frauen?

Die reflexartige Antwort dürfte wie folgt lauten: nein! Doch wenn man die Bluttests durch die Krankenkassen bezahlen lässt, wie wirkt sich das auf Kinder mit Trisomie 21 aus? Schon heute wird in 95 Prozent aller Fälle, in denen Trisomie 21 festgestellt wird, das Kind abgetrieben. Die allermeisten Frauen entscheiden sich gegen ein „behindertes“ Kind. Das darf uns als christlich geprägte Partei, die sich für das ungeborene Leben einsetzt, nicht kalt lassen. Die Sorge, dass in Zukunft mehr Tests gemacht werden und damit noch mehr Kinder abgetrieben werden, ist sehr berechtigt. Vor dem Hintergrund, dass über 100 weitere Bluttests auf alle möglichen Krankheiten in der Entwicklung sind, stehen wir vor einem Zeitalter, in der wir Kinder nach unseren Wünschen selektieren können.

Nun liegen noch keine konkreten Gesetzesvorschläge vor. Doch ich bin davon überzeugt, dass wir eine Debatte darüber brauchen, welche Tests und welche Eingriffe wir für ethisch zulässig halten. Meine Einschätzung ist, dass es nicht so sehr darum gehen wird, den Bluttest durch die Krankenkasse bezahlen zu lassen. Einen Test mit geringerem Risiko vorzuenthalten, erscheint mir nicht sinnvoll. Die eigentliche Frage stellt sich, wenn Trisomie 21 festgestellt wurde. Wie unterstützen wir diese Eltern? Wie selbstverständlich integrieren wir „behinderte“ Kinder? Ist es richtig, dass Kinder mit Behinderung bis kurz vor der Geburt abgetrieben werden dürfen, während normalerweise dies nur für die ersten zwölf Wochen erlaubt ist? Das sind die Fragen, die mich umtreiben und von denen ich hoffe, dass wir sie zusammen mit der Frage um den Bluttest lösen können.



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